Irgendwas riecht hier komisch – 16,4 Volt auf der Starterbatterie

Irgendwas riecht hier komisch – 16,4 Volt auf der Starterbatterie

Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einem Ankerplatz. Der Motor lief, wir waren unterwegs vor Vrgada und draußen wehten knapp 20 Knoten Wind. Nichts Besonderes also.

Bis Caro an Deck kam, mich ansah und diesen einen Satz sagte:

„Unten im Salon riecht’s irgendwie … merkwürdig.“

Es gibt Sätze an Bord, bei denen man nicht lange nachfragt.

Ich war ziemlich schnell unten – und mein erster Gedanke galt tatsächlich den Batterien. Warum ich ausgerechnet dort suchte, sollte sich wenige Augenblicke später als ziemlich guter Instinkt herausstellen.

16,4 Volt – das gehört da nicht hin

Der Blick in die Victron-App brachte ziemlich schnell Klarheit. Oder zumindest den ersten Teil davon:

Die Starterbatterie wurde mit 16,4 Volt geladen.

Das war definitiv nicht normal.

Eine 12-V-Blei-Starterbatterie über längere Zeit mit einer derart hohen Spannung zu beaufschlagen, kann zu starker Gasung und Erwärmung führen. Und warm war unsere Batterie inzwischen reichlich.

Zum Glück waren wir gerade vor dem Bojenfeld von Vrgada. Tatsächlich war noch eine Boje frei. Bei knapp 20 Knoten Wind nicht unbedingt der Moment für einen besonders entspannten Anleger – aber wir hatten gerade andere Prioritäten.

Ran an die Boje. Beim ersten Versuch festgemacht.

Motor aus.

Erst einmal die Temperatur runter

Die Batterie war so heiß, dass ich an einen Ausbau zunächst überhaupt nicht denken wollte. Also musste eine pragmatische Lösung her.

Aus der Vorschiffskabine kam der Ventilator zum Einsatz. Irgendwie an der Sitzbank befestigt, auf die Batterie gerichtet und erst einmal für ordentlich Luft gesorgt.

Nicht elegant.

Aber in diesem Moment völlig ausreichend.

Während die Batterie langsam abkühlte, begann die interessantere Frage:

Warum zum Teufel lädt unsere Lichtmaschine plötzlich mit 16,4 Volt?

Was hatten wir verändert?

Die Lichtmaschine selbst war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal etwa drei Jahre alt. Natürlich konnte auch ein relativ neuer Regler einen Defekt haben, aber bevor wir anfingen, Teile auszubauen, wollte ich verstehen, was in unserem System überhaupt passierte.

Und dann fiel mir unser Umbau wieder ein.

Wir hatten die ursprünglichen drei Bleibatterien durch zwei LiFePO₄-Verbraucherbatterien ersetzt und die Ladung über einen Victron DC-DC-Lader neu aufgebaut.

Der DC-DC-Lader hat dabei eine wichtige Aufgabe: Starter- und Verbraucherbatterie sind ladetechnisch nicht mehr einfach miteinander verbunden. Der Orion nimmt seine Energie auf der Seite der Starterbatterie bzw. Lichtmaschine auf und lädt daraus kontrolliert die LiFePO₄-Verbraucherbatterie. Genau diese Trennung ist bei solchen Systemen gewollt.

Nur eine kleine gelbe Leitung hatte diese Information offenbar nicht bekommen.

Das gelbe Kabel

Nach einiger Suche – unter anderem in Seglerforen – landete mein Verdacht bei der Sense-Leitung der Lichtmaschine.

Diese Leitung war nach unserem Umbau noch mit der Verbraucherbatterie verbunden.

Und das war jetzt ein Problem.

Die Sense-Leitung dient dem Regler als Referenz für die Spannung. Der Regler soll schließlich wissen, welche Spannung im zu ladenden System tatsächlich anliegt und die Lichtmaschinenleistung entsprechend regeln.

Nach unserem Umbau hing diese Messleitung aber nicht mehr dort, wo die Lichtmaschine jetzt ihre Arbeit verrichtete. Die Starterbatterie und die LiFePO₄-Verbraucherbank waren durch den DC-DC-Lader voneinander getrennt – die Lichtmaschine bekam ihre Spannungsinformation aber weiterhin von der anderen Seite des Systems.

Wir hatten die Ladewege geändert, aber die Spannungsmessung nicht.

Das war die entscheidende Spur.

Ein dünnes Kabel mit ziemlich großer Wirkung

Ich legte die Sense-Leitung auf die Starterbatterie um – also dorthin, wo die Lichtmaschine in unserer neuen Konfiguration tatsächlich ihre Spannung erfassen sollte.

Dann kam der spannende Moment.

Motor wieder an.

Drehzahl langsam hoch.

Bei etwa 2.000 U/min zeigte die Starterbatterie:

14,2 Volt.

Genau dort wollten wir hin.

Auch am folgenden Tag blieb alles unauffällig. Die Batterie war wieder kalt, die Spannungswerte stabil und das merkwürdige Aroma im Salon glücklicherweise verschwunden.

Was wir daraus gelernt haben

Rückblickend war das einer dieser Fehler, die nachher vollkommen logisch erscheinen.

Beim Umbau unseres Batteriesystems hatten wir uns um die großen Dinge gekümmert: LiFePO₄-Batterien, DC-DC-Lader, Verkabelung und die unterschiedlichen Ladeanforderungen.

Und dann hängt da noch dieses unscheinbare gelbe Kabel.

Genau solche Details machen Umbauten an der Bordelektrik anspruchsvoll. Es reicht nicht, dass die einzelnen Komponenten für sich richtig angeschlossen sind. Man muss anschließend auch betrachten, wie das gesamte System miteinander arbeitet – und welche Teile der alten Installation durch den Umbau plötzlich eine andere Bedeutung bekommen haben.

Die kleine gelbe Leitung gehört seitdem jedenfalls zu den Kabeln an Bord, denen ich deutlich mehr Aufmerksamkeit schenke als früher.

Und Caros Satz

„Unten riecht’s irgendwie komisch.“

gehört zu denen, bei denen ich vermutlich auch künftig ziemlich schnell aufstehen werde.

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